Für die Freunde von Dieter

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Mittwochabend, 10.10.01

Dieter hatte heute Nacht einen sehr schlimmen Unfall. Die Ärzte können noch nichts sagen und es kann noch Tage dauern, bis klar ist, dass er überleben wird, über Spätfolgen ganz zu schweigen. Es hat ihm so ziemlich alles gebrochen und verletzt. Soweit die Ärzte bis jetzt sehen, ist allerdings das Hirn noch intakt, es wurde durch die Gesichtsknochen geschützt.

Über den Unfallhergang ist man auch noch nicht sicher, es fehlen 2-3 Stunden in der Rekonstruktion. Er lief zu Fuss von der Aushebung heim (und war sicher nicht nüchtern, die Mutter hatte vor dieser Aushebung schon seit Monaten Angst), ev. ging er in unserem Landstück für 2-3 Stunden schlafen und lief dann weiter. Ca. 1 km von Zuhause entfernt, bei einer engen und gefährlichen Stelle, wurde er mit voller Wucht von hinten durch ein Auto erfasst. Wahrscheinlich ist Dieter in der Mitte Fahrbahn gewandert. Der Fahrer muss ziemlich schnell gewesen sein und Dieter nicht geachtet haben. Es gab keine Bremsspuren und keine andere Spuren. Der Fahrer beging Fahrerflucht.

Sehr stark demoliert sind Dieters Mittelgesicht und Ober- und Unterkiefer. Dies wurde teilweise schon operiert, da die Gefahr einer Entzündung besteht, die dann sofort ins Gehirn wandern würde. Dann ist ab der Hüfte abwärts auf der rechten Seite ziemlich viel kaputt. Hüfte, Oberschenkel und Unterschenkel wurden schon operiert, bei der Kniescheibe bin ich nicht sicher. Brüche im Fuss sind momentan nicht wichtig und gefährlich und daher noch nicht behandelt. Nebst den Knochenbrüchen ist beinahe jedes innere Organ beschädigt. Am Meisten Angst macht mir die Lunge. Sie ist geprellt. Die Gefahr von Wasseransammlungen besteht, was die Sauerstoffversorgung des Gehirns und Herzens gefährden würde. Man muss auch fast zu 100% mit einer Lungenentzündung rechnen, die die Sauerstoffversorgung noch stärker beeinträchtigen würde. Das Herz ist ebenfalls geprellt, arbeitet aber ohne Unterstützung. Die Leber hat Schürfungen. Weiter hat Dieter Flüssigkeit im Bauch, momentan aber mit konstanter Menge. Daher haben sie im Bauch auch noch nichts unternommen und ihn nicht geöffnet.

Bis Dieters Zustand definitiv stabil ist kann es Tage dauern (uns wurde für unter 10 Tage Warten keine Hoffnung gemacht). Das Einzige was wir machen können ist hoffen und mit positivem Denken Dieter die nötige Energie zum Überleben zu geben.

Zeitungsartikel vom 13.10.01
Zeitungsartikel vom 11.10.01

Wir werden hier unregelmässig über den Zustand von Dieter berichten. Sobald man ihn besuchen kann, werden wir dies mit Angabe des Raumes und der Besuchszeiten mitteilen. Ab diesem Zeitpunkt wird ihm jeder Besuch viel Kraft auf seinem Genesungsweg geben. Aber schon heute geben ihm all die guten Wünsche und der ihm zugesprochene Mut viel Kraft auf dem Weg zur Heilung - denkt an ihn und helft ihm so, diese schwierige Zeit durchzustehen!

Wenn ihr heute an Dieter denkt und vor allem sobald ihr Dieter besuchen könnt ist es uns wichtig, dass ihr immer positiv denkt / mit ihm sprecht - und NIE negativ oder mit zu viel Mitleid (er braucht viel Kraft / Stärke und nicht Schwäche!).

Also nicht 'Was bist du für ein armer Kerl', sondern 'Du bist stark und hast einen grossen Willen'.

Aslo nicht 'Es war immer so schön mit dir zusammen zu sein', sondern 'Ich freue mich auf den Abend, an dem wir wieder zusammensitzen werden!'.

Donnerstagabend, 11.10.01

Letzte Nacht war Dieters Zustand stabil. Sie haben ihn kurz aufwachen lassen, er hat die Augen geöffnet und auch mit Kopfbewegung auf Fragen geantwortet. Morgen Freitag wird wiederum operiert.

Sein Zustand blieb den ganzenTag stabil. Sie haben ihn ruhen lassen und werden ihn morgen wieder operieren.

Freitagabend, 12.10.01

Während der Nacht blieb Dieters Zustand stabil. Heute haben sie ihn am rechten Bein operiert. Dabei wurde ihm ein 'Wundgewebe' eingesetzt (ich verstehe dies als eine Art Schwamm, der dazu da ist, Flüssigkeit aufzusaugen, die man dann via Kanüle ableiten kann. Dadurch wird das Bein trocken und es kann neues Gewebe heranwachsen). Die Operation verlief ohne Komplikationen. Als Nächstes muss an seinem Schädel noch einmal operiert werden, der Termin dazu steht aber noch nicht fest.

Samstagmorgen, 13.10.01

Der Zustand von Dieter war in der Nacht stabil. Sie liessen ihn wieder aufwachen. Auf die Frage, ob er Schmerzen habe, verneinte er klar mit einem Kopfnicken.

Samstagabend, 13.10.01

Der Zustand von Dieter ist weiterhin stabil. Die Konzentration der 'Schlaf'-Medikamente wurde reduziert und bei unserem Besuch hat er auf ein Ansprechen unsererseits reagiert! Er hat den Kopf Richtung der sprechenden Person gedreht und man konnte auch erkennen, dass seine Augen sich bewegten (öffnen tat er sie nicht, entweder ist er dafür immer noch zu tief im 'Schlaf' oder es ist durch seinen geschwollenen Schädel nicht möglich. Die Medikamente wurden allerdings am Abend wieder erhöht, da sein Blutdruck und sein Puls anstiegen.

Aber sein Reagieren auf uns und sein ruhiges Schnaufen und daliegen geben weiterhin viel Hoffnung!

Sonntagabend, 14.10.01

Während der Nacht war Dieters Zustand stabil.

Heute reagierte er sehr stark auf die Besucher (Familie), drückte einem die Hand und auf unsere Frage an die Betreuerin, ob er uns hören kann, antwortete nicht die Betreuerin, sondern Dieter mit einem Kopfnicken! Wir alle hatten heute ein sehr positives Gefühl beim Anblick von Dieter, wie er aussieht und wie er reagiert!

Das gefürchtete Wasser auf der Lunge, die Lungenentzündung und allgemeine Infektionen sind bisher ausgeblieben. Die nächsten paar Tage werden entscheidend sein über das Auftreten von Infektionen.

Montagnacht, 15.10.01

Heute hatten wir einen Termin bei Dr. Renner, dem verantwortlichen Arzt für Dieter. Das Gespräch gibt sehr viel Hoffnung:

In einer weiteren Operation muss der rechte Fuss in Ordnung gebracht werden. Hier ist man aber noch nicht sicher, was alles gebrochen ist, wie und ob man operieren will. Beim Fuss hat er eine komplizierte Verletzung des 5. Mittelfussknochens. Hier wird er höchstwahrscheinlich noch einmal in den Computertomographen geschoben um über das weitere Vorgehen entschieden werden zu können.

Der Zustand hat sich wie gesagt in allen Belangen erfreulich entwickelt. Die Gefahr von Infektionen ist aber weiterhin akut und daher besteht auch weiterhin noch eine gewisse Lebensgefahr.

Für alle, die Dieter besuchen wollen: bei der Dauer bis zur Verlegung von der Intensivstation in die Allgemeinstation handle es sich nicht mehr um Wochen, sondern um TAGE!!!

Heute hat Dieter wiederum sehr stark auf unsere Besuche reagiert. Er dreht den Kopf und schaut uns mit grossen Augen an. Danach wird er sehr unruhig, hebt den Kopf an, bewegt die Arme und sein linkes Bein und der Puls steigt. Man hat das Gefühl, er möchte einem etwas sagen (sprechen kann er noch längere Zeit nicht, da er durch einen Schnitt in der Luftröhre künstlich beatmet wird).

Dienstagnacht, 16.10.01

Dieters Zustand ist den Umständen entsprechend weiterhin gut! Neben der Operation vom Donnerstag wird er nun doch am Mittwoch noch einmal am Kopf operiert.

Die Laboranalyse ergab, dass das Fieber höchstwahrscheinlich von der (erwarteten) Lungenentzündung stammt. Die Temperatur schwankte auch heute zwischen 37°C und etwas über 38°C.

Heute hat Dieter wiederum sehr schöne 'Zeichen' gegeben (er ist allerdings nicht immer gleich wach und wir nehmen auch nicht alles gleich wahr respektive interpretieren gleiche Ereignisse unterschiedlich. Der Text ist daher persönlich gefärbt. Mit 'uns' meine ich, dass dies mindestens eine Person unserer Familie betriff):

Allerdings wollte er wiederholt mit seinen Händen an das rechte Bein greiffen. Hat er Schmerzen? Möchte er testen, ob das Bein noch da ist? Möchte er schauen, was alles zerstört ist?

Mittwochabend, 17.10.01

Wir möchten dem ganzen Dorf, den Verwandten und allen Freunden für das hoffnungsvolle Mittragen und die zugesprochene Kraft danken.

Der Kantonspolizei danken wir für ihre mitfühlende Arbeit.

Ganz herzlich möchten wir uns schon jetzt beim Pflegepersonal und dem Ärzteteam bedanken.

Dieters Zustand ist weiterhin stabil. Das Fieber ist leicht gestiegen und er hatte eine unruhige Nacht. Die für heute vorgesehene Operation am Kopf wurde nicht durchgeführt. Morgen drücken wir ihm nun die Daumen für die lange Operation am Oberschenkel, der Kniescheibe und dem Unterschenkel.

Donnerstagabend, 18.10.01

Die Operation dauerte von 11 Uhr bis relativ spät in den Abend. Die Ärzte sind grundsätzlich zufrieden mit dem Zustand von Dieter. Wir sind zuversichtlich, dass Dieters Zustand sich weiterhin so positiv entwickel wie in den letzten Tagen. Schön ist auch, dass Dieters Gesicht trotz seinen schweren Gesichtsknochenbrüchen äusserlich bis auf die Nähte am Kinn unversehrt ist.

Folgende Arbeiten wurden heute durchgeführt:

Wir haben Dieters Seite etwas umgestaltet. Neu hat er ein Gästebuch. Wir werden ihm die Einträge ausdrucken und in den Spital bringen (via Laptop wird er sie auch bald selber lesen und beantworten können).

Der Bericht über die ersten Tag nach dem Unfall haben wir archiviert (Ältere Texte). Damit wird die Seite des aktuellen Textes kürzer.

Freitagabend 19.10.01

Dieters Zustand ist weiterhin stabil. Er hat recht hohes Fieber. Aus diesem Grund wurde er vorläufig wieder in tiefen Schlaf versetzt.

Der Fehler im Gästebuch ist behoben.

Freitagnacht, 19.10.01

Dieters Zustand ist weiterhin stabil. Die Ursache für das Fieber ist nicht definitiv klar, es kann die Lungenentzündung, die (offenen) Brüche oder sogar die diversen Schürfungen sein. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist aber die Lungenentzündung daran Schuld, und diese wird mit einem Antibiotikum behandelt.

Um ihm mehr Ruhe zu geben wird Dieter sicher noch bis Montagmorgen in recht tiefem Schlaf belassen. Aber auch in dieser Zeit wird er mehrmals für kurze Zeit 'geweckt' (Dosis verringern).

Die Fäden am Kinn sind entfernt und das ganze Gesicht ist sichtbar. Die Naht ist sehr kurz, nur knapp 10 Zentimeter lang. Zusätzlich hat Dieter bei der linken Augenbraue noch eine kleine, genähte Fleischwunde.

Ein Blick in seinen Mund war recht erschreckend. Dort wird zu einem späteren Zeitpunkt noch viel gemacht werden müssen.

Samstagnacht, 20.10.01

Keine Neuigkeiten sind gute Neuigkeiten. Dieters Zustand ist weiterhin stabil, er wird im tiefen Schlaf belassen. Die Fieber waren heute konstant und erreichten die 39°C nicht mehr.

In seiner Krankheitsakte steht nichts über eine Verletzung am Herzen. Wahrscheinlich war die uns am ersten Tag gemeldete Verletzung (Prellung) am Herzen gar keine.

Im Bauch hat er noch etwas Flüssigkeit, diese stellt jedoch kein Problem dar und wird vom Körper selber resorbiert. Medizinisch ist hier keine Hilfe nötig.

Wir möchten allen Gästebuchschreibern danken. Wir drucken die Einträge aus und werden sie Dieter vorlesen, sobald die Pfleger ihn wieder aus dem Schlaf aufwachen lassen.

Sonntagnacht, 21.10.01

Der heutige Besuch bei Dieter war sehr, sehr schön, teils aber auch traurig.

Dieter war meist recht wach (die Schlafmittelkonzentration betrug zeitweise nur 1/10 der normalen Konzentration) und wir konnten recht schön mit ihm kommunizieren.

Dieter hat auf Witze/Sprüche gelacht und oft ein zufriedenes Gesicht gemacht. Die Frage nach Schmerzen verneinte er. Wir hatten mehrere Male das Gefühl, er teste seine Funktionsfähigkeit. Nacheinander bewegte er sein linkes Bein, linker und rechter Arm und danach die linke und rechte Schulter. Sein rechtes Bein beschäftigt ihn sehr. Er versucht immer wieder mit der Hand an das Bein zu gelangen und den Kopf so zu drehen, dass er zum Bein schauen kann.

Der Pfleger stellte daraufhin das Bett so ein, dass Dieter mit aufrechtem Oberkörper im Bett sitzen respektive beinahe 'stehen' konnte. Damit war es ihm möglich, sein Bein zu berühren und wahrscheinlich auch zu sehen (durch die Medikamente sieht er vermutlich nur verschwommen). Wir konnten ihm damit auch die Schiene an seinem Bein zeigen und ihn beruhigen, dass noch alles an seinem Platz ist und schon am Heilen ist.

Nebst dem Bein beschäftigte ihn sein Gesicht sehr stark. Er versuchte es immer zu berühren oder schaute in das spiegelnde Fenster. Als wir ihm einen Spiegel hinhielten, war er leider schon wieder am Einschlafen.

Wir haben ihm heute einige Gästebucheinträge oder auch nur die Namen der an ihn Denkenden vorgelesen. Die Reaktion war von passiv glücklich (wenn er beinahe am Schlafen war) bis zu heftigen Heulkrämpfen, sobald er einen Namen hörte!

Auf die Aufforderung, selber zu atmen, begann er wirklich mit Atemversuchen. Die Lungenmaschine musste über längere Zeit nur noch 2 anstatt der üblichen 10 Schläge geben, der Rest atmete Dieter selbstständig!

Das Traurige war, dass Dieter öfters extrem traurig wurde und erschütternd zu weinen begann und die Tränen über seine Wangen rollten.

Extrem schön war aber heute bei allem, dass Dieter unsere Worte versteht, verarbeiten kann und den Muskeln die richtigen Befehle erteilt (atmen, Arm anheben). Auch das Heulen ist in dieser Situation eine logische und nötige Verarbeitung. Dies alles lässt extrem stark hoffen, dass sein Hirn wirklich intakt ist! Die Knochen brauchen noch viel Zeit und Geduld, aber diese lassen sich 'reparieren'.

Die Temperaturen von Dieter sind stabil hoch, der Blutdruck ist sehr hoch.

Wir wissen, dass sehr viele von euch Dieter extrem gerne besuchen möchten. Wir haben aber das Gefühl, dass die Besuche für Dieter noch einen rechten Stress darstellen (sein Puls und vor allem sein Blutdruck steigen stark an wenn wir ihn besuchen). Da unsere Familie schon gross ist, werden wir weiterhin nur selten jemanden mit zu Dieter nehmen. Wir denken, dies ist für ihn das Beste - und das ist entscheidend! Wir nehmen aber an, dass er recht bald auf die Allgemeinstation verlegt wird, wo er ganz normale Besuchszeiten haben wird. Dann sind wir froh um alle Besucher, die ihn auf seinem langen Gesundungsweg unterstützen und auch uns insofern entlasten, als dass wir 'Ruhetage' einschalten können.

Wir haben heute eine Bildgalerie aufgeschaltet. Die Bilder von Dieter sind etwa 5 Tage nach dem Unfall aufgenommen worden.

Montagabend, 22.10.01

Heute war Dieter sehr unruhig. Er weinte oft, konnte aber auch lachen und wollte uns immer wieder etwas zeigen und auch aufschreiben. Das Schreiben hat ihn allerdings noch sehr belastet, da es durch die Medikamente bedingt nicht richtig funktionierte und ihn dies wahrscheinlich traurig machte.

Ansonsten ist sein Zustand stabil respektive bessert sich. Er atmet schon oft alleine, er zeigt wenn er den Mund oder die Lunge gereinigt haben will oder dass ihm der Magen rumort.

Dienstagnacht, 23.10.01

Heute hatten wir sehr, sehr schöne, aber auch einige schwierige Momente bei Dieter. Den Schlauch zur künstlichen Beatmung wurde ihm entfernt, und somit kann er wieder ziemlich gut sprechen (die Verletzungen der Gesichtsknochen verhindern ein ganz normales Sprechen momentan noch).

Was er sagt und wie er es sagt gibt weiterhin Hoffnung, dass sein Hirn vollständig intakt ist. Er kann sich auch an sehr Vieles erinnnern, und fand, er sei doch schon oft von Oberflachs nach Thalheim gelaufen und dass es peinlich sei, betrunken einen Unfall zu haben. Auch macht er sich schon Sorgen um für uns noch nicht allzu wichtige 'Details' (wie teuer wird das Ganze, was macht die Schule).

Häufig war er auch sehr traurig, hatte stark Angst um seinen Mund und sein rechtes Bein. Auch nervte er sich extrem, sobald er sich an etwas nicht mehr erinnern konnte - wahrscheinlich hat er sofort immer die Befürchtung, dass etwas in seinem Hirn nicht stimmt.

Da die Schlafmittel abgesetzt wurden, war Dieter heute sehr stark auf Entzug. Er wurde teilweise recht aggressiv gegen uns und das Pflegepersonal. Die Entzugserscheinungen dauern ca. 2 Tage und sollten daher Übermorgen vorbei sein.

Das Pflegepersonal nahm ihn heute ein erstes Mal aus dem Bett und setzte ihn auf einen Stuhl, wo er etwas essen konnte (Schokoladecreme...).

Dieter wird nun in Kürze aus der Intensivstation in die Allgemeinabteilung verlegt. Ab diesem Zeitpunkt sind Besuche theoretisch möglich. Wir möchten aber schon jetzt darauf hinweisen, dass zu Beginn nur die engsten Freunde Dieter besuchen sollten, Freunde, die in letzter Zeit oft mit ihm zusammen waren. Die Besuche sind immer noch ein rechter Stress für ihn, und seine Gesundheit geht unserem Wunsch, Dieter zu besuchen, ganz klar vor. Sobald er auf der Allgemeinstation ist werden wir dazu noch mehr sagen. Ziel ist es, dass in den ersten Tagen nur Besuche nach Absprache mit unserer Mutter erfolgen, damit wir die Anzahl Leute im Zimmer steuern können. Hier zählen wir fest auf euer Verständis!

Die Regeneration wird noch lange, harte Wochen dauern, in denen Dieter immer wieder über Besuche und Abwechslung glücklich sein wird!

Wir haben alle Gästebucheinträge ausgedruckt und Dieter ins Spital gebracht. Er wirde diese lesen und bald auch persönlich oder via Laptop beantworten können!

Mittwochabend, 24.10.01

ich lebe noch! bin gestern wieder aufgewacht und danke euch allen für euer an mich denken.

Dies sind die ersten beiden von Dieter auf dem Laptop eingetippten Sätze!

Dieter wurde heute in die Allgemeinstation verlegt. Es ist fantastisch, wie sich sein Zustand in den letzen zwei Wochen verbessert hat und dass er nun mit uns sprechen, lachen und weinen kann.

Wir verstehen, dass ihr ihn nun alle möglichst bald besuchen wollt. Da Besuche für Dieter aber auch sehr viel Stress bedeuten (Freude, Trauer, Hektik), möchten wir die Besuche in geordnete Bahnen lenken und vor allem zu Beginn die Besucherzahl pro Tag niedrig halten.

Deshalb haben wir folgende Bitten an euch:

Wir zählen darauf, dass ihr unseren Wunsch, Dieter seine Ruhe zu gönnen, akzeptiert und ihn nicht alle sofort besuchen geht - es werden viele, lange Wochen kommen, in denen Dieter noch so froh um Abwechslung und Unterhaltung ist.

Wir werden auch in den nächsten Tagen diese Intranetseite aktualisieren, allerdings mit abnehmender Intensität, je häufiger man Dieter besuchen und die Informationen aus erster Hand erhalten kann.

Besten Dank um die grosse Unterstützung während den vergangenen und noch kommenden Tagen.

Familie Werthmüller

Freitagabend, 26.10.01

Gestern übernachtete ich bei Dieter im Spital, daher gab es keine News. Verglichen mit unseren Ängsten während der letzten zwei Wochen geht es Dieter verhältnismässig gut. Gestern sass er schon über eine Viertelstunde in einem Stuhl und 'diskutierte' mit uns.

Ansonsten geht es ihm aber nicht allzu gut. Er ist sehr traurig und muss natürlich die Situation verarbeiten. Er ist nicht in der gleichen Situation wie wir: Wir sind schlicht und einfach glücklich, dass er lebt, die Wunden am Heilen sind und er so schnell Fortschritte macht. Dieter aber war die zwei letzten Wochen im künstlichen Koma - er erwachte erst diese Woche, spürte als erstes seinen Mund und die fehlenden Zähne und sah sein rechtes Bein - diesen Schock, die Angst und den Frust muss er nun verarbeiten. Er denkt sehr oft an die Situation mit seinem Ellbogen und hat die verständliche Angst, dass auch am Bein etwas schief laufen wird.

Sein ganzer Lebensrhythmus wurde durcheinander gebracht. Er kann nicht schlafen und hat Angst vor der Nacht. Seit gestern bleibt nun immer jemand von uns über Nacht im Spital, damit er in Krisen jemanden zum Sprechen hat.

Die massiven Entzugserscheinungen vom letzten Dienstag haben ihn ebenfalls sehr stark mitgenommen und machen ihm immer noch Eindruck und Angst.

Dieter freut sich sehr über die Besuche seiner besten Freunde. Wir finden es super, dass es so gut klappt und ihn bisher nur wenige und nach Absprache besuchen kommen. Das erste Mal jemanden sehen und dann das Verabschieden sind schwer und nehmen Dieter noch recht stark mit. Die Situation, dass ihn nur wenig Leute besuchen, diese dafür aber lange bei ihm bleiben, ist somit optimal!

Gestern und heute wurde Dieter nochmals geröngt. Zu Beginn nächster Woche wird er am Fuss operiert, wann und was dies sein wird wissen wir momentan nicht.

Dieters Postadresse:
Dieter Werthmüller
Kantonsspital Aarau
Haus 2a, Zimmer 113
5000 Aarau

Sonntag, 28.10.01

Physisch macht Dieter weiterhin Fortschritte und bisher traten keine Komplikationen auf. Psychisch ist die Situation für ihn aber weiterhin äusserst schwierig.

Er ist verzweifelt, hat Angst. Die Halluzinationen während seines Medikamentenentzuges am ersten bewusst miterlebten Tag (Dienstag) sind ihm noch sehr schlecht in Erinnerung und lösen bei ihm Panik aus.

Morgen Montag wird er am Fuss operiert. Vor der Operation, aber vor allem vor dem Aufwachen von der Narkose und dem 'auf Schläuche angewiesen zu sein' hat er Horror.

Ebenfalls kämpft er mit dem Wechsel von der Intensivstation, wo dauernd Pflegepersonal um ihn war, zur jetzigen Situation, wo das Personal nur noch periodisch vorbeischaut. Hier fehlt im das Vertrauen, dass dies eigentlich ein gutes Zeichen für seinen Zustand ist.

Da er morgen operiert wird und auch sein psychischer Zustand noch sehr labil ist, möchten wir es weiterhin so halten, dass ihn nur die engen Freunde nach Absprache mit uns besuchen gehen. Wenige Besucher, die aber etwas länger bleiben, sind für ihn besser als häufige Wechsel. Wir fragen ihn auch immer wieder, wen er bald sehen möchte.

Sonntagnacht, 28.10.01

Gestern und heute fand Dieter zeitweise wieder zum Lachen zurück! Er konnte auch das wunderbare Herbstwetter geniessen; im Rollstuhl auf dem Spitalgelände, zusammen mit Freunden.

Heute wurde der Katheter entfernt - damit war Dieter für einen Tag ohne einen einzigen Schlauch an seinem Körper - was für ein Kontrast zum Bild vor einer Woche!

Am Montag um 10 Uhr wird Dieter am Fuss operiert - toi toi toi!

Montagabend, 29.10.01

Die Operation von heute verlief ohne Probleme. In Dieters Fuss wurden die gebrochenen Knöchel mit Draht fixiert. Dieser Draht wird in ca. 8 Wochen wieder entfernt, noch bevor Dieter den Fuss belasten kann. Am Oberschenkel wurde die offene (und mit Muskelfleisch 'gefüllte') Wunde mittels Hauttransplantation geschlossen. Die Haut dazu wurde vom rechten Oberschenkel entnommen (wie schon die Haut für die offene Wunde unterhalb des rechten Knies).

Dieter hat die Operation gut überstanden, die Stelle, an dem ihm Haut entnommen wurde, schmerzt ihn nun allerding ziemlich stark.

Somit ist unseres Wissens ziemlich alles zusammengeflickt, was geflickt werden musste. Die nächsten Operationen werden die Entfernung der diversen eingesetzten Drähte und die nötigen Eingriffe im Mund sein (Zähne).

Dieter hatte viel Freude an den Besuchen von diesem Wochenende. Allerdings erwähnte er heute auch, dass es doch 'etwas viele Besucher' waren, vor allem wenn mehrere Personen gleichzeitig bei ihm waren. Daher überlassen wir es weiterhin ihm, wen er sehen möchte und rufen diese Personen direkt an. Alle anderen müssen wir leider noch ein wenig vertrösten.

Mittwochabend, 31.10.01

Heute vor drei Wochen ist Dieter verunfallt. Wahnsinnig und schön, wie sich seither sein Zustand gebessert hat.

Nun ist allerdings sehr viel Geduld gefragt, die Dieter momentan noch nicht hat. Er ist sehr traurig und verzweifelt, spricht recht wenig, will mit Ausnahme von wenigen Freunden auch nicht unbedingt Leute sehen und starrt vor sich hin.

Die Stelle der Hauttransplantation schmerzt immer noch stark, vor allem auch beim Verbandswechsel. Ansonsten hat er keine Schmerzen.

Noch diese Woche wird sein Kopf geröngt. Dann wird sicher auch mehr bekannt, wie es mit dem Mund weitergeht. Dieser belastet ihn sehr stark und auf seine entsprechende Frage 'wann alles in Ordnung sei' sagte heute der Kieferspezialist, dass man darüber in zwei Jahren wieder sprechen kann. Eine ehrliche und sicher realistische Antwort, die aber Dieter ganz schön geschmerzt hat. In ca. 3 Wochen werden ihm die Schrauben in den Gesichtsknochen entfernt.

Freitagnacht, 2.11.01

Dieter findet wieder zum Lachen zurück! Mindestens für kurze Zeit lässt er sich ablenken und kann sich freuen. Sicher tragen das gute Wetter und vor allem die guten Freunde sehr stark dazu bei. Die Spazierfahrten an der Sonne scheinen ihm sehr gut zu tun. Generell ist aber schnell müde, immer noch sehr traurig und er schläft recht schlecht. Der Oberschenkel (Ort der Hautentnahme und der Hauttransplantation) beisst ihn immer noch stark und jeder Verbandswechsel schmerzt.

Am Montag wird ihm am rechten Fuss ein Schuh angepasst. Nachher wird es ihm möglich sein, das rechte Bein zu belasten und somit an Krücken umherzulaufen. Dem traut Dieter allerdings noch überhaupt nicht, da er nicht sicher ist, ob er mit seinem seit langem lädierten rechten Ellbogen überhaupt an Krücken gehen kann.

Sonntag, 4.11.01

KTV-Kollegen von Dieter haben aktuelle Bilder geschossen. Diese geben den Zustand von Dieter viel besser wieder als die bisherigen in der Bildgalerie (Bildgalerie).

Ansonsten kann nicht viel Zusätzliches zu Dieter gesagt werden. Der Heilungsprozess braucht sehr viel Zeit, die Ungewissheit und die Angst bei Dieter sind gross, ebenso die Ungeduld. Die organisierten Besuche möchte er weiterhin so beibehalten, da er ziemlich schnell müde wird und vor allem nicht allzu viel sprechen will und kann (durch die Schrauben, Drähte und Platten im Mund ist er beim Sprechen eingeschränkt - durch diese Einschränkung wird er beim Sprechen auch immer wieder an seine Situation und die Angst erinnert).

Als Ergänzung zum Mittwocheintrag: Die Frage nach 'Joggen' und 'Ballsportarten betreiben' kann sicher nicht beantwortet werden mit 'ja, wird wieder möglich sein', die Chance ist aber intakt. Hier sind anscheinend die Brüche im rechten Fuss gravierender als von uns bisher wahrgenommen.

Mittwoch, 7.11.01

Gestern Dienstag bekam Dieter einen 'Vorfussentlaster' (Spezialschuh). Heute konnte er sich erstmals mit einer Krücke im Spital bewegen. Der erste Besuch in der WG kommt somit mit Riesenschritten näher!

Am Montag sass Dieter das erste Mal auf der Toilette und heute kam das lang ersehnte Duschen.

Da Dieter die (abgebrochenen) Zähne nicht richtig reinigen kann, entzündet sich das Zahnfleisch und unter Umständen müssen einige, nicht mehr 'verwendbare' Zähne, gezogen werden. Dies wird morgen untersucht und entschieden. Zusätzlich wird Dieter in 2 bis 3 Wochen am Kopf operiert. Dabei werden die eingesetzten Platten entfernt.

Die Schwellung in der rechten Gesichtshälfte ist vermutlich auf eine verstopfte Speicheldrüse zurückzuführen und wird darauf behandelt.

Samstag, 10.11.01

Die Schwellung beim rechten Ohr hat sich als 'Leck' in einer Arterie herausgestellt, durch das Blut aus der Arterie fliesst, das die Schwellung verursacht. Dieses 'Leck' wird am Montag mit Hilfe einer Sonde geschlossen, die in der Leistengegend in die Arterie eingeführt wird. Die Sonde wird durch den ganzen Körper bis in den Kopf geführt, wo das 'Leck' ohne Operation geschlossen werden kann (die Untersuchung wurde auf dem gleichen Weg durchgeführt). Diese Schwellung schmerzt Dieter momentan recht stark und wir hoffen, dass ab Montag eine Linderung eintritt.

Am Freitag schaute der Zahnarzt in Dieters Mund und besprach mit ihm das weitere Vorgehen. Es fehlen 6 Zähne, 2-3 weitere Zähne müssen sicher noch entfernt werden, je nach Entwicklung noch weitere 2-3.

In einem ersten Schritt werden die Verletzungen 'versiegelt' (innerhalb des nächsten Monats). Danach kann Dieter mindestens wieder weiche und mittelharte Nahrung beissen. Bis zum Ende der Versieglung (dh.ungefähr in einem Monat) sollte auch das weitere Vorgehen definitiv bestimmt werden können, da bis dann klar sein sollte, ob der Knochen genügend stabil ist oder noch weiter aufgebaut werden muss. Geplant ist, weitere 3-6 Monate nach der Versieglung die provisorischen Zähne einzusetzen und nach weiteren 6-12 Monaten die definitiven Zähne.

Korrektur zum Eintrag vom 29.10.: Dieter musste am rechten Oberschenkel kein Muskel zum Füllen eines 'Lochs' eingesetzt werden. Er hatte am Oberschenkel 'nur' einen offenen Bruch - dadurch wurde der Muskel nicht mehr 'zusammengehalten' und quoll aus dem Oberschenkel. Diese offene Wunde wurde durch transplantierte Haut wieder geschlossen (die Haut stammt ebenfalls vom rechten Oberschenkel). Der Muskel ist aber intakt und wird somit auch wieder voll funktionstüchtig.

Aufgrund der optischen Untersuchungen und den Blutwerten sind alle inneren Verletzungen von Dieter vollständig geheilt.

Es sind erst gut 4 Wochen nach seinem Unfall und wir diskutieren ernsthaft über einen Besuch in der WG und das Vorgehen zum 'Wiedereingliedern' in der Schulklasse - beinahe unglaublich und unglaublich schön!

Die Seite wird nicht mehr so häufig aktualisiert. Die nächste Aktualisierung wird am Montagabend nach der Operation aufgeschaltet.

Dienstag, 13.11.01

Dieter wurde in der rechten Gesichtshälfte 7 kleine Titanspiralen in die Blutgefässe eingesetzt, um diese zu schliessen und damit die Schwellung zu stoppen. Am Donnerstag wird im Computertomograph überprüft, ob diese Massnahme den gewünschten Erfolg zeigt.

Alle, die Dieter noch nicht besucht haben und ihn gerne besuchen möchten, sind nun herzlich dazu eingeladen. Es lohnt sicher aber, vorher kurz bei Dieter anzurufen (062 838 31 88). Einerseits hat er oft Therapie oder Untersuchungen, andererseits sprechen die Ärzte davon, ihn am Wochenende aus dem Spital zu entlassen!

Freitag, 16.11.01

Dieter konnte heute das Spital verlassen und ist zuhause!

Bildergalerie Dieter

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Bilder, ca. 1 Woche nach dem Unfall, aufgenommen durch Wädi
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Bilder vom 3.11.01, aufgenommen durch Index
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Medienmitteilung der Kantonspolizei Aargau vom 10. Oktober 2001:

Oberflachs: Fussgänger angefahren und geflüchtet

Ein 19-jähriger Fussgänger wurde von einem unbekannten Fahrzeug angefahren und in schwerverletztem Zustand liegen gelassen.

In der Nacht zum Mittwoch, 10. Oktober 2001, ca.03.30 Uhr, hörten Anwohner von Oberflachs laute Kollisionsgeräusche. Sie hielten sofort Nachschau und fanden einen mitten auf der Strasse liegenden, schwerverletzten Mann. Er wurde mit der Rega ins Kantonsspital nach Aarau geflogen. Wie bis jetzt feststeht, handelt es sich beim Verletzten um einen 19-jährigen Schweizer aus Thalheim, der sich offensichtlich zu Fuss auf dem Heimweg befand. Auf der Höhe des Schlosses Kasteln wurde er von einem Richtung Thalheim fahrenden Auto angefahren und schwer verletzt. Der Lenker oder die Lenkerin dieses Fahrzeuges setzte die Fahrt Richtung Thalheim / Staffelegg fort, ohne sich um den Verletzten zu kümmern. Bezüglich dem Fahrzeug bestehen keine Anhaltspunkte. Dieses dürfte aber an der Front massive Beschädigungen aufweisen. Personen die Hinweise geben können oder denen ein Fahrzeug mit entsprechenden Beschädigungen aufgefallen ist, werden gebeten, sich bei der Kantonspolizei in Brugg, Telefon 056 441 80 31, zu melden. Die Polizei appelliert aber auch an die Verursacherin oder den Verursacher dieses tragischen Unfalles, sich zu melden.

Mein Bruder Daniel kreierte diese Unfall-Webseite nach meinem Unfall zur Information von Familie und Freunden. Nachdem ich das Spital am 16. November 2001 verlassen konnte, fiel sie in den Dornröschenschlaf. Es hat mir aber immer wieder viele Worte, und zum Teil unerwünschte Erinnerungen, erspart, wenn ich auf diese Seite verweisen konnte anstelle alles zu erklären. Deshalb reproduziere ich die Texte hier, uneditiert. Das heisst, mit den gleichen Typos, aber auch mit z.T. vorhandenen medizinischen Missverständnissen und Halbwahrheiten; all dies reflektiert die bange und nervenzehrende Zeit, die meine Familie damals erdulden musste.

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